Unser AS für NRW – die Allgemeine Sekundarschule

17.10.2015

Warum es nicht bleiben kann, wie es ist.

Dr. Ernst Rösner

Dr. Ernst Rösner, Verfasser des Gutachtens für den VBE NRW

1. Schulreform als Gebot der Demographie
Prognose
Die Schülerzahlen in NRW sinken und werden ihren vorläufigen Tiefpunkt in den Jahren 2020 bis 2022 erreicht haben. In einer Prognose des MSJK sieht das folgendermaßen aus:
22,9% Rückgang an Hauptschulen
20,8% Rückgang an Realschulen
17.2% Rückgang an Gymnasien
16,8% Rückgang an Gesamtschulen

Prognose Sekundarstufe I in NRW (in TSD)

Angesichts sinkender Schülerzahlen wird es in absehbarer Zeit nicht mehr möglich sein, an allen Orten alle Schulformen getrennt voneinander zu erhalten. Die Schulträger werden sich dieser Entwicklung stellen müssen, ob sie wollen oder nicht. Leidtragende dieser Entwicklung wird die Hauptschule sein, weil das die Schulform ist, die von den Eltern mehr und mehr abgelehnt wird. Während im Schuljahr 1970/ 71 noch 53,7% der Schüler von der Grundschule zur Hauptschule wechselten, waren es im Schuljahr 2002/03 nur noch 22,8%. Bleibt alles, wie es ist, werden Schulschließungen nicht zu vermeiden sein.

2. Schulreform als Gebot der Durchlässigkeit
Unser jetziges Schulsystem produziert Versager. Durchlässigkeit heißt Durchlässigkeit nach unten. Allein im Schuljahr 2002/03 wurden in NRW 18.688 Schülerinnen und Schüler in einen weniger anspruchsvollen Bildungsgang abgestuft. Den umgekehrten Weg gingen aber nur 1.162. Das entspricht einer Relation von 94:6. PISA 2000 stellte fest, dass in NRW 26,6% aller getesteten Schülerinnen und Schüler im Verlauf ihrer Schullaufbahn eine Klasse wiederholen mussten. Am Ende des Schuljahres 2002/ 03 verließen in NRW 13. 685 Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss.

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3. Schulreform als Gebot der Chancengerechtigkeit
PISA 2000 hat für Deutschland eine extrem enge Koppelung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen ausgemacht. Das Kind eines Akademikers hat in NRW eine 6, 5 mal höhere Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als das Kind eines Facharbeiters. Die soziale Herkunft bestimmt den Bildungsweg, von Chancengerechtigkeit kann keine Rede sein.

Schule der Zukunft- Schule der Vielfalt
Die allgemeine Sekundarschule als Zielmodell Die allgemeine Sekundarschule ist eine organisatorische, pädagogische und schulverwaltungsrechtliche Einheit. Sie muss alle Kinder aufnehmen und sie während ihrer gesamten Schullaufbahn pädagogisch begleiten. Kein Kind kann abgeschoben werden, die Schule ist bis zum Ende der 10. Klasse für alle Schülerinnen und Schüler verantwortlich. Die allgemeine Sekundarschule ist kein Einheitsmodell. Als Schule der Vielfalt kennt sie unterschiedliche Formen, die jeweils auf den Gegebenheiten vor Ort basieren und zwischen Schule und Schulträger abgestimmt sind.

Beispiele für die Umsetzung


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Entscheidend ist aber für alle denkbaren Modelle, dass Lehrerinnen und Lehrer in jedem Fall schulformübergreifend zusammenarbeiten und für die schulische Laufbahn aller Schülerinnen und Schüler verantwortlich sind. Für Schülerinnen und Schüler muss darüber hinaus ein flexibler, unkomplizierter und auch kurzfristiger Wechsel zwischen einzelnen Kursen oder Schulformen möglich sein. Für alle Varianten gemeinsam sind darüber hinaus die Jahrgangsstufen 5 und 6 als Orientierungsstufe angelegt. Ganztagsbetrieb ist nicht verpflichtend, bietet sich aber aus pädagogischen Gründen an.

Die Allgemeine Sekundarschule und die Grundschule
Die Primarstufe bleibt nach dieser Konzeption in ihrer jetzigen Form erhalten. Da die Allgemeine Sekundarschule alle Kinder aufnehmen muss und die ersten zwei Jahre als Orientierungsstufe angelegt sind, fällt die frühe Zuweisung von Kindern auf bestimmte Bildungsgänge weg. Eine Ausweitung der Grundschulzeit ist deshalb nicht vorgesehen.
Je nach den Bedingungen vor Ort kann die Grundschule allerdings in die Allgemeine Sekundarschule eingebunden werden.

Die allgemeine Sekundarschule und die Oberstufe

Die allgemeine Sekundarschule muss nicht zwangsläufig eine eigene Oberstufe haben. Auch das ist von den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort abhängig. Oberstufenzentren können eine Alternative sein. Der große Vorteil dieses Modells ist seine Offenheit. Vieles ist möglich, aber nichts wird erzwungen oder aufgedrückt. Innere und äußere Schulentwicklung gehen dabei Hand in Hand, wobei die eine ohne die andere nicht denkbar ist. Als Schule der Vielfalt kann sie nur von unten wachsen und ein Zukunftsmodell sowohl für Lehrerinnen und Lehrer als auch für Schülerinnen und Schüler sein.

Vorteile des Modells

1. Für Eltern
Sie müssen sich nicht mehr schon am Ende der Grundschulzeit für eine bestimmte Schulform für ihr Kind entscheiden. Das nimmt ihnen den Stress und die Angst, dass eine falsche Entscheidung langfristige Folgen für ihr Kind haben kann.

2. Für Schülerinnen und Schüler
Die Allgemeine Sekundarschule schafft Fakten in Sachen Durchlässigkeit. Schülerinnen und Schüler können unkompliziert und flexibel gegebenenfalls den Bildungsgang wechseln. Sie können auch für einzelne Kurse in unterschiedlichen Bildungsgängen sein. Da alles unter einem Dach geschieht, fallen Schulwechsel weg.

3. Für Lehrerinnen und Lehrer
Die Allgemeine Sekundarschule befreit Grundschulerinnen und –lehrer von dem Zwang, Kinder nach der 4. Klasse einer bestimmten Schulform zuordnen zu müssen. Lehrerinnen und Lehrern der Sekundarstufe I bietet sich die Möglichkeit, schulformübergreifend zu arbeiten und damit über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. Damit hinaus schafft das Modell die Basis für mehr Besoldungsgerechtigkeit, weil es Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr nach Schulformen einteilt.

4. Für Schulträger
Das Modell der Allgemeinen Sekundarschule bietet den Schulträgern die Möglichkeit, angesichts sinkender Schülerzahlen ein umfassendes wohnortnahes Bildungsangebot zu erhalten. Schulschließungen können somit verhindert werden

Grafik: VBE NRW
Schuljahr 20/21

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31.08.20, 14-17 h, 0231 425757 22

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